Alles beginnt am Sonntag, den 20.7.97 um ca. 8.00 Uhr, ich stehe, nach einer turbulenten Nacht und ca. 2 Stunden Schlaf, außerordentlich fit, auf. Nachdem die letzten Sachen in den Seesack gepackt waren, der zwar unglaublich kompakt gepackt war, aber nicht besonders praktisch (da ich ca. 3 Wochen brauchte, um meine Taschentücher wiederzufinden), ging es endlich (?) los, die Fahrt ins Ungewisse. Ich machte mich auf zu der Garage, in der das Auto stand, das uns zum Bahnhof bringen sollte. Dort angekommen begrüßte mich schon Ralfs Familie, die sich dort schon eingefunden hatte, freundlich. Nach ein paar echten Prä-Interrail-Fotos ging es dann los, nachdem wir uns geeinigt hatten, wie die Rücksäcke denn wohl eingepackt werden müssen. Die, zugegebenermaßen nicht sehr weite, Fahrt zu Stephan verlief problemlos. Nachdem auch sein Gepäck verstaut war hieß nun das Ziel Bahnhof Wilhelmshöhe, wo der schicksalsträchtige Zug, in den wir einsteigen sollten, einfuhr.

Nach einer kurzen Verabschiedung standen wir so da, wie es in den darauffolgenden Wochen öfters der Fall sein sollte: allein am Bahnhof. Ich machte noch schnell eine Besorgung, die sich später als sehr lohnend herausstellen sollte: das Buch "Vergessene Welt", von Michael Crichton. Als wir dann auch noch das Wochenendticket am Fahrkartenschalter erstanden hatten, konnten wir, glücklich, daß es endlich losging, aber auch mit einem seltsamen Gefühl im Bauch, in Ungewißheit, welche Abenteuer uns wohl erwarten würden, endlich einsteigen und darauf warten, daß der Zug zur vorgegebenen Zeit, um 10.50 Uhr, losfährt.

Die Fahrt im ersten Zug verlief ohne Zwischenfälle und recht fröhlich, nichtsdestotrotz aber auch feucht: schon im ersten Zug begannen sich die Alkoholreserven bedenklich weit zu erschöpfen.

Beim ersten oder zweiten Umsteigen, ich weiß es nicht mehr genau (bei dem was in den folgenden Wochen passierte, ist das wohl auch kein Wunder), mußten wir schon die Alkoholreserven durch solche, die sich in der dortigen Bahnhofsdrogerie befanden, ersetzen. Vorher mußten Stefan und ich uns aber unbedingt noch auf der Straße vor dem Bahnhof um ein Haar überfahren lassen, was uns in der Entscheidung, so schnell wie möglich wieder in den Zug zu steigen, nur bestärkte.

Schon gegen 17.00 Uhr stießen wir, trotz der langsamen Fortbewegungsmöglichkeit, die wir nur hatten, an eine Grenze Deutschlands. Natürlich mußten wir hier über 3 Stunden warten, bis endlich der Zug nach Holland fuhr, was uns aber, wenn wir unsere Alkohollage so recht betrachteten, gar nicht so ungelegen kam. So kam es, daß wir nach einer reichlichen Flüssigmahlzeit doch noch weiter, Richtung Holland fuhren.

Das Eisenbahnfahren in Holland gestaltete sich allerdings schwieriger, als wir zunächst angenommen hatten, denn wir mußten etwa 4 Mal umsteigen, bis dann kein Zug mehr fuhr und wir unsere ersten Stunden am Bahnsteig auf einer Bank schlafend, verbringen durften. Gegen 5 Uhr fuhr dann aber schon unser Zug und es hieß zum ersten Mal: Schlafsäcke einpacken, "haben wir auch nichts vergessen?", und wieder ab in den Zug. Wir kamen unserem ersten Ziel, Renesse, einem Ferienort an der Nordseeküste, immer näher.

Dort angekommen stellten wir fest, daß wir die letzten Kilometer nach Renesse per Busverbindung hinter uns bringen mußten. Das Interrail-Ticket war zwar für diese Art von Fortbewegungsmittel in Holland nicht gültig, aber nachdem Ralf den außerordentlich netten Busfahrer sein Ticket gezeigt und gefragt hatte, ob wir mit diesem mitfahren dürften, erklärte sich dieser bereit, uns auch mitzunehmen, obwohl das Ticket nicht für den Bus galt, es "ihm aber egal sei", und so kam es, daß wir ganz umsonst (wie sich später herausstellen sollte, im wahrsten Sinne des Wortes) mit dem Bus nach Renesse fahren konnten.

 

 


bis jetzt Zuschauer